Das Tramprennen

Zu Ostern wars wieder soweit, mein zweites Tramprennen stand an. Das erste Rennen habe ich am ersten Adventwochenende des Vorjahres besucht und bin – dank der Stressbewältigungsfähigkeiten meiner Mutter, welche eine exzellente Teampartnerin war – auf Platz 7 von 10 gelandet. Diesesmal hatte ich vor meine gesammelten Erfahrungen in eine bessere Position umzuwandeln.

Von Wien bin ich über Leipzig und Potsdam getrampt, dort habe ich bei meiner Teampartnerin Sarah übernachtet und am nächsten Tag sind wir zum gemeinsamen Treffpunkt, der Raststätte Prignitz Ost auf der A24, getrampt. Unterwegs haben wir gleich in Potsdam an der Autobahnauffahrt ein weiteres Team angetroffen, welches uns nach einer kurzen, gemeinsamen Fahrt auf einen Parkplatz davongezogen ist und zwei Stunden vor uns am Treffpunkt war. Dieses Team wird uns das ganze Rennen weiterhin sehr nahe begleiten

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Die Route

Am Treffpunkt gabs für alle etwas zu Essen, alte Geschichten wurden ausgetauscht, neue Geschichten wurden am Lagerfeuer erzählt, trotz Regen und Dunkelheit schaften es alle bis auf eine Person am selben Abend anzukommen.

Morgends früh schnell das Zelt verstaut, gefrühstückt, am Rasthof einen Kaffee und dann mit Sarah die Route planen. Abwägen, wo wir am schnellsten weg kommen. Welchen Punkt sollen wir als erstes ansteuern. Wo fahren Samstag vor Ostern, vormittags, viele Menschen hin? Ŵo dürfen wir nachts keinesfalls enden? Wo schlafen wir? Wo können wir viel Zeit gutmachen? Wo fahren die anderen?

Da wir nicht viel Zeit hatten, konnten wir nicht alle Fragen durchbesprechen aber meine Erfahrung vom letzten Rennen war, dass viel spontan auf der Route passiert und dass es nur Sinn macht, die ersten 1-3 Punte zu planen. Alles andere regelt der Zufall!

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Routenbesprechung

Dann wurden die Startpositionen ausgewürfelt – wir waren im Mittelfeld, Nr. 7, und da das Team vor uns noch am Parkplatz MEnschen anquatschte entschlossen wir uns, durch den Wald auf die nächste Landstrasse zu gehen/rennen. Hatte zur Folge, dass meine Schuhe total durchnässt waren und den ganzen Tag nicht mehr trocken wurden, aber: “Alles für den Triuph!”

Bald schon sahen wir, dass auch andere Teams den selben Plan hatten und bis zum ersten Checkpunkt (für uns 1c) liefs dann ganz gut, wir überholten 2 andere Teams und holten ein drittes am Checkpunkt ein – LPS, das Team, das wir auch schon in Potsdam getroffen hatten. Dann gings zurück, allerdings nicht ohne eine Stunde im Regen zu stehen – viel Verkehr war hier nicht. Noch dazu schnappte uns ein anderes Team ein Auto vor der Nase weg.

Wir entschieden uns für die Reihenfolge 1b -> 1a -> 1d und waren damit auch gut im Rennen, bis 1d war es ein Kopf an Kopf rennen mit LPS, wir waren ständig nur 1 Auto von einander entfernt, LPS voraus. Dann spielte uns das Schicksal aber in die Hände, wir bekamen quasi einen direkten Lift zum Checkpunkt 2 wo wir auch als (in meiner Erinnerung) viertes Team ankamen. Wir hatten schon mal 3 Plätze gut gemacht.

Da es schon später Nachmittag war viel die Entscheidung für die nächste Checkpunkt-Gruppe schwer. Beides sehr abgelegene Ziele, 3b musste zeitlich eigentlich vor 3a abgefahren werden, da wir von dort sonst nicht wieder wegkommen. Aber, wieder spielte der Zufall mit, und wir bekamen ziemlich schnell einen Lift nach Neustrelitz, quasi an Checkpunkt 3a vorbei. 3b musste warten.

Die Entscheidung war folgenschwer, möglicherweise ein Fehler. Von 3a kamen wir zwar recht bald wieder weg, aber als wir in 3b eintrafen – wieder im gleichen Auto wie LPS – war es Nacht. Zu unserem Vorteil hatte LPS den Checkpunkt 3a noch nicht. So spazierten wir als mit LPS etwa eine Stunde durch die Finsternis, begeneten Uhus und Wildschweinen, schwitzten, und dachten wohl alle darüber nach, wie wir das jeweilige andere Team denn hier ausstechen. Wir vereinbarten – ein Versprechen mit Traper*innen-Ehre – uns gegenseitig mitzunehmen aus diesem schwarzen Loch, sollten wir ein Auto mit genügend Platz finden. Da Sarah und ich jedoch schneller zu Fuß waren bekam LPS das erste Auto, und da war kein Platz für vier.

Wir spazierten also zu zweit weiter. Kilometer für Kilometer wanderten wir durch die sternenklare Nacht und bewunderten die Abwesenheit von Fahrzeugen. Die Stille war sehr angenehm. Nach eineinhalb Stunden erreichten wir die nächste Ortschaft und von dort bekamen wir noch einen Lift ins nächste Dorf. Da war aber dann Zapfenstreich. Wir waren erschöpft, hungrig, müde und es war kalt. LPS wähnten wir in weiter Ferne, diese 1,5 Stunden hatten uns wohl um einiges zurückgeworfen.

Als wir am nächsten Morgen zeitig aufwachten trommelte der Regen auf das Zelt. In einer kurzen Niederschlagspause packten wir alles zusammen, stellten uns an die Strasse und saßen 15 Minuten später in einem warmen Auto. etwa 500 Meter nachdem wir eingestiegen waren sahen wir Team “Waste” aus den Büschen kriechen. Also waren wir noch im Rennen!

Der Beginn des zweiten Tages war kräftezehrend. Kurz nach dem ersten Lift begann es wieder zu regnen. Die Autos die uns entgegenkamen hatten zu unserer Verwunderung Schnee auf den Dächern. Zuerst konnten wir es nicht glauben, aber als uns kurze Zeit später die Schneeschauer erreichten waren wir überzeugt. Es ist wieder Winter.

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Team Waste, Team Chaos und Team Banana an einer Kreuzung – auf einem Haufen

Gemeinsam mit Team Waste warteten wir dann in diesem schrecklichen Wetter, kamen aber vor ihnen weg. Das verhalf uns zu einer Serie von guten Lifts, nur beim nächsten Checkpunkt – dort mussten wir 3km tief zu Fuß in den Wald – sahen wir Team Waste nochmal am Rückweg. Ebenso trafen wir wieder auf Team LPS und Team “Doppel L” welches wir fälschlicherweise als Platz 1 vermuteten. Team “Flexible” hatte jedoch bereits am Vortag alle bis auf einen Punkt abgefahren!

Also sputeten wir uns, Punkt für Punkt wurde abgehakt, rennend, schwitzend, mit schmerz in den Gliedern und allen Autofahrer*innen immer freudig und stolz vom Rennen erklärend ging es voran. Am letzten Checkpunkt waren wir 3 Minuten hinter LPS. Wir rannten.

An der Straße zum Zielort warteten wir verzweifelt auf unser Glück. Die Autos wollten einfach nicht stehen bleiben. Dann, ein VW-Bus. Wurde zuerst langsam, dann wieder schneller… dann stoppte er. Wir sprinteten. Den zweiten oder dritten Platz in unseren Köpfen, mit rasendem Puls, und aus dem Auto blickte uns Team LPS entgegen.

Wir hatten es leider nicht vor ihnen geschafft, aber sie waren glücklich, uns einpacken zu können. Gemeinsam erreichten wir das Ziel und gratulierten den 2 anderen Teams, die schon vorort waren. LPS bekam den dritten Platz, und wir den vierten, da sie zuerst in dem Auto waren und damit Priorität genossen (vollständiges Regelwerk). Sarah und ich waren uns jedoch einig, dass wir alle vier gemeinsam dritte geworden sind. Und wir waren sehr stolz auf uns (Ergebnisliste)!

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Team Waste und Team Chaos am letzten Checkpunkt

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