Verrückt, gefährlich und obendrein unmöglich

Mit 120 km/h wirft sich ein Mensch auf Skiern eine Abfahrt hinunter. Die Menge feiert. Am Flimmerkastl staunen die Augen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.
Ein Mensch schnappt sich seine Füße und läuft 160 Kilometer in einem durch, die Laufgemeinde ist begeistert, fasziniert.
Ein anderer nimmt viel Geld in die Hand und springt aus der Stratosphäre mit einem Schirm. Ein weltweites Spektakel.
Blut spritzt als eine Faust ein Gesicht trifft, im Kampf um einen Sieg in einer Arena vor tausenden Leuten. Wieder wird begeistert zugeschaut.

Und gelobt. Und gepriesen. Welcher Mut, welche Ehre diese Dinge zu meistern, Dinge die eigentlich verrückt sind. Gefährlich. Und für die meisten obendrein unmöglich erscheinen.

Das gilt auch für Autostoppen. Nur ohne Lob und Ehre, sondern mit Abscheu werde ich betrachtet wenn ich an der Strasse stehe mit einem Schild, dass mich die 100km zu meinen Freunden bringen soll.

Schon als Jugendlicher haben wir uns in Kleingruppen aufgeteilt und sind die 10km in die nächste Ortschaft getrampt. Die öffentliche Verbindung war einfach nicht da, und um nachts ins nächste Kaff mit Wirtshäusern zu kommen gabs nun mal nur die Option zu Fuß zu gehen.
Hier im Graben in den Alpen wo ich aufgewachsen bin war das ganz normal. Hin und wieder waren auch ältere Menschen an der Strasse zu sehen. Und viele der MigrantInnen udn Flüchlinge aus dem Flüchtlingsheim die in der Nachbarschaft wohnen hatten trampen als einzige Möglichkeit um in die Stadt zu kommen.
Meine Mum hatte die immer mitgenommen und schon als Kind war es für mcih ein tolles Erlebnis eine Person da sitzen zu haben mit der man versucht zu kommunizieren. Manchmal wurden auch kleine Umwege in Kauf genommen um die Personen da hin zu bringen wo sie hin wollen. Es war ein gutes Gefühl, auch später als ich selbst mit meinem Auto unterwegs war bin ich immer mit einem guten Gfeühl aus diesen Begegnungen hinausgegangen.

Und dann gibt es trotzdem Menschen die so viel Angst davor haben Autos zu stoppen oder Freunde bzw. Familie beim Autostoppen zu wissen, dass sie Schwächeanfälle bei dem Gedanken bekommen. Scheinbar ist Autostoppen gefährlicher als die meisten noch so tödlichen Extremsportarten, verrückter als große Erungenschaften und Taten von gefeierten Menschen und – wenn es nach der Meinung vieler geht mit denen ich darüber gesprochen habe – in Österreich so ziemlich unmöglich. Lustigerweise sagen das selbst die Menschen bei denen ich gerade im Auto sitze. Die, welche noch nie einen Menschen mitgenommen haben, für die, wo es “das erste Mal” ist, die, die vollkommen erstaunt fragen “Und funktioniert das hier in Österreich überhaupt?” während sie mich 200km über die Autobahn kutschieren.

österreichrundfahrtBlumen und Lorbeeren beiseite, ich habe schon viel getrampt in Österreich. Abgesehen von den obligatorischen 100km zu meiner Familie und meinen Freunden die ich mehrmals im Jahr zurücklege und den Reisen die ich per Anhalter gemacht habe die mich auch quer durch Österreich führten habe ich auch eine reine Österreich rund-tramp-Runde mit einer Freundin gemacht. Und bevor ihr jetzt “Waaas, zu zweit??” oder “Du hast eine Freundin in Gefahr gebracht?” denkt, überlegt doch einmal ganz genau.

Welcher Gefahr setzte ich mich beim Autostoppen aus?
Folgendes konnte ich beobachten:

  • Ich bekam Essen geschenkt
  • für mich wurden Umwege gemacht
  • Bis auf eines von etwa 50 Autos fühlte ich mich in der Fahrweise bei alle sehr sicher, einer fuhr mir ein bisschen zu schnell, aber ich bin auch ein Schisser beim Beifahren 😉
  • Die Wartezeiten waren manchmal unter 5 Minuten

Ich bin keinen Verbrechern begegnet, ich habe keine Verrückten gefunden und bin immer heil an mein Ziel gekommen. Viva la Autostop!

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